Adoray-Festival Oktober 2010 in Zug

Tropf. Tropf. Tropf. Leise und ganz sachte schlagen die kleinen Regentropfen gegen mein Zimmerfenster. Tropf. Tropf. Tropf. Beobachte, wie sie vom Wolken durchzogenen Himmel fallen. Tropf. Tropf. Tropf. Ganz leise. Ganz sanft schlagen sie gegen mein Fenster. Fallen auf mein Fenstersims. Das Fenster leicht geöffnet. Ein kühler Windhauch. Tropf. Tropf. Tropf. Während mein Gesicht ein kleines Lächeln trägt, fallen sie langsam in mein Zimmer. Fallen. Fallen einfach nur. Wie das Glück und Gottes Liebe in den vergangenen zwei Tagen in mein und viele weitere Herzen gefallen ist. Tropf. Tropf. Tropf. Einfach so. Plötzlich und unverdient. Und doch so unendlich wertvoll und kostbar. Unvergessliche zwei Tage – pures Glück. Kein Wunder, weint der Himmel vor Freude! Doch wie es soweit kam, möchte ich euch nun, wenn ich hier so sitze und in das regnerische, weite Dunkel blicke, erzählen.

Einige von uns putzmunter, andere noch ein wenig verschlafener und mit halboffenen Äuglein dreinblickend, machten wir uns am vergangenen Samstagmorgen auf, immer den Wegweisern nach Zug folgend. Aufgeteilt in drei Autos, die schon früh morgens aus allen Ecken und Enden des Oberwallis in Visp zusammenfanden und sich in regelmässigen Abständen bis Fürgangen füllten, traten wir unser nächstes Abenteuer an: das Adoray-Festival 2010 in der Gemeinde Zug.

Nach einer rasanten Fahrt durch das noch schlafende, idyllische Goms und einer ein wenig ruhigeren Verladungsreise über den Furkapass ertönten in der MyStop-Raststätte in Erstfeld viele Hallo!-Rufe und Begrüssungsworte. Nun endlich war die Wallisertruppe vereint! Nach einem gemütlichen Frühstück und einer weiteren, kleinen Fahrt führte uns unser Weg gegen halb elf Uhr zum Pfarreizentrum nach Zug. Hier wurde noch schnell eingecheckt, Essensbons ergattert und Eintragungen für die am Nachmittag stattfindenden Workshops erledigt. Nun nur noch eine einzige Tür von unserem Ziel entfernt. Neugier und Vorfreude lagen in der Luft. Daraufhin tauchten wir ein, richtig tief hinein, in unser lang ersehntes Adoray-Wochenende. Ab hinein ins Abenteuer, ab hinein in die extra für uns Jugendliche hergerichtete Halle, wo Jugendbischof Marian Eleganti bereits einen ersten Impuls hielt.

Auf einer langen Couch sitzend, ganz in schwarz gekleidet, mit einem grossen, goldenen Kreuz geschmückt, redete dieser eigentlich ganz normal aussehende Mann zu seinem jungen Publikum. Gerade noch gefangen in meinen Alltagsgedanken, herumschwirrend und abgelenkt, versuchte ich nun, meine volle Aufmerksamkeit den Worten dieses so eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahlenden Mannes zuzuwenden. Was mir zu meiner eigenen Verwunderung sofort gelang! Denn dieser Mann, der dort auf dieser Couch sass, war wirklich ein ganz besonderer! Die Art, mit der er uns Jugendlichen von seinem Leben, von schönen und wertvollen Erinnerungen, aber auch von traurigen und schweren Zeiten berichtete, war wirklich einzigartig, sehr persönlich und tiefgängig.

Das erste Thema in diesen anfänglichen Minuten widmete Marian Eleganti dem wahren Reichtum auf dieser Erde.

Heute, in einer Welt, in der nur noch das Geld, die finanziellen Mittel und Möglichkeiten als wahre Werte anerkannt werden, ist es schwer, ohne diese als jemand zu gelten. Mensch zu sein, der als MENSCH anerkannt wird. Akzeptiert wird. Angenommen wird. Gelobt wird. Geliebt wird. Menschen streben nach Reichtum. Wohlhabend und schön muss man sein! Gebildet und intelligent! Schlank und gross! Gesund muss man sein! Was sollen wir mit den Kranken? Gesund, gross und stark muss das heutige Vorbild, ja gar Motto sein. Kleine und Traurige werden verachtet. Kranke bei Seite geschoben. Die äussere Hülle muss glänzen und gelten! Verdrängt und ignoriert. Als wären Krankheit und Sorge nicht hier, wird weitergemacht. Weiter Geld verdient. Weiter nach Erfolg und Schönheit gestrebt.

Doch was ist eigentlich der wahre Reichtum? Kann man den wahren, glücklich machenden, von Gott kommenden Reichtum nicht nur DURCH und MIT Jesus Christus, SEINEM Sohn erlangen? Willst nicht auch du dieses Glück, diesen Reichtum Gottes erfahren?

Gott möchte uns auch ein reiches Leben schenken. Sein eigenes Wesen und seine Werke zeigen einen grossen Reichtum, ja eine verschwenderische Fülle an Gaben, Kräften und Früchten für die Menschen. Gott ist nicht kärglich. Schon damals als Jesus Christus 5000 Menschen zu essen gab, blieben 12 Körbe mit Nahrung übrig. Oder als er Petrus einen wunderbaren Fischfang möglich machte, fing das Boot vor lauter Fische bereits an zu sinken.

Wenn wir also zulassen, dass Gott mit seinen Gaben in unser Leben eintritt, dann bekommen wir ein überfliessendes Leben. Reich, ja überreich sollen wir werden! Reich an seiner Fülle, an seiner Kraft, an seiner Güte und Demut. Reich an seiner unendlichen Barmherzigkeit und unbeschreiblich tiefen Liebe. Sodass auch die anderen Menschen in unserer Umgebung den reichen Segen unseres Gottes miterleben und weitergeben können.

Weiter predigte Marian Eleganti über unseren Glauben. Als Weihbischof der Jugend besonders auch über den Glauben unserer jungen Generation.

Es ist wichtig, dass wir glauben. Es ist wichtig, dass wir bei Nöten und Ängsten, Schwierigkeiten und Problemen nicht aufgeben und versuchen weiterzugehen! Weitergehen. MIT und IN IHM. Weiterglauben. Glauben an Gott, an seine grosse Liebe!

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Er wird nicht verloren sein, sondern das ewige Leben haben! Vertrauen wir doch auf unseren Herrn! Lassen wir uns in SEINE Arme fallen. Denn ER fängt uns immer wieder auf! Mal für Mal, wenn wir auch fallen. In dir spricht der Schwache ich bin stark. In dir spricht der Arme ich bin reich. Denn was ER am Kreuz getan ist dein, ist mein, ist all unser!

In SEINER Hand dürfen wir uns geborgen und sicher fühlen. Denn ER ist es, der uns den Weg, deinen Weg, meinen Weg, unseren Weg zeigt! An SEIN so grosses, so wertvolles, so unendlich und grenzenlos liebendes Herz dürfen wir uns schmiegen. Uns an IHN anlehnen, wenn wir nicht mehr aufrecht stehen können. IHN in unser innerstes Herz lassen, wenn nichts mehr geht. In diesen Situationen, wo wir selber gar nicht mehr weiterwissen. Wo wir zu zweifeln beginnen. Verzweifeln. Wo nichts mehr geht. Kein Ausweg mehr hilft. Niemand mehr da ist. Allein. Verlassen. Zur Seite geschoben. In diesen Situationen, wo man alles am liebsten nur noch hinschmeissen möchte. Davonrennen. Nur noch weinen. Nicht einmal mehr das. Keine einzige Träne vermag zu fliessen. Nur noch diese elende Kälte. Diese grausame Leere. Alles Vertrauen verloren. Jede Portion Mut begraben. Jegliches Senfkorn Hoffnung aufgegeben.

Doch genau in dieser Zeit ist Jesus da! Ist Gott uns nahe! „Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.“ Bischof Eleganti lehrte uns, dass auch er solche Zeiten durchstehen musste. Auch er, wie er dort vor uns stand, ein Weihbischof mit seinen 55 Jahren Lebenserfahrung, gestand uns, solche Augenblicke in seinem Leben erfahren zu haben. Auch er hat gezweifelt. Auch er hat gehadert.

Doch nun, im Nachhinein, viele, viele, viele Jahre später offenbarte er uns, nun zu merken, dass Gott IMMER bei ihm war. Genau in diesen Augenblicken des Zorns und der Rebellion. Genau in diesen Momenten der Schwachheit und Einsamkeit. Genau in diesen Momenten der Stille und Verzweiflung. Genau in diesen Momenten war Jesus, Gott immer ganz besonders bei ihm.

Bischof Eleganti verglich unseren Glauben und den Geist Gottes mit einem Flaschengeist. Wenn Gottes Geist nicht in uns wohnt, ja, dann sind wir leer. Wahrhaftig, dann sind wir nur eine leere, öde, armselige Flasche. Wenn aber Gottes Kraft, sein Heiliger Geist in uns wohnen kann, werden wird zu einem wahren Flaschengeistzuhause. Bekommen wir einen Sinn. Eine Aufgabe. Wohnung und Zuflucht zu sein für den Geist Gottes. Jedoch wenn wir aber nie über unseren Flaschenrand hinausgehen wollen, ja können, werden wir auch niemals sehen, was sich dahinter verbirgt. Wir müssen ALLES geben, ALLES glauben, ALLES vertrauen, damit der Flaschengeist nicht in uns eingesperrt bleibt und sich weiterhin in der Flasche verborgen hält. Wir müssen über den Rand der Flasche wirken. Gottes heiligen Geist sandte ER in die Welt, damit ER IN und UNTER uns lebt!

All diese sehr persönlichen und ergreifenden Geschichten aus dem Leben des Weihbischofes und aus dem Leben von uns allen hat viele von uns sehr berührt und fasziniert. Diese Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit mit der dieser Mann uns Jugendlichen begegnet ist. Uns sein Vertrauen schenkte. Uns neuen Mut zu Glauben und zu Vertrauen zu verleihen mochte. Einfach beeindruckenswert!

Und wer denkt, dass der Weihbischof nur trocken und eintönig zwei Stunden dahergeredet hat, ja der täuscht sich gewaltig! Mit viel Witz und Charme, Freue und besonders viel Heiligem Geist äusserte Marian Eleganti manch auch nachdenkliche oder ernste Aussage. Begleitet von seiner Gitarre und Mundharmonika vermochte er uns in seinen Geist, in seinen Heiligen Geist zu ziehen. Der Geist der in uns ruft, wie gross Gott ist. Ob ein Halleluja oder ein Mein Herr und mein Gott, Marian Eleganti und seine „kleine Band“ liessen manch Herz offen werden durch den Lobpreis für unseren Gott und Vater!

Nach diesen nachdenklichen und einfach nur mitten ins Herz treffenden Gedanken und einem gemeinsamen Mittagsgebet durften wir uns mit einer Portion feinem Pilzrisotto stärken. Viel wurde gelacht. Geredet. Ausgetauscht. Manch neue Freundschaften wurden geschlossen. Auch der Lobpreis kam nicht zu kurz! Walliser Power ahoi! :-) !
Gesättigt und zufrieden erwartete uns am Nachmittag nach eins, zwei Liedern, gespielt von Marian Eleganti höchstpersönlich, ein Crash-Talk mit dem Weihbischof und Martin Iten. Die beiden hatten zuvor keinerlei Vorbereitungen getroffen und wollten getreu dem Namen, Crash-Talk, einfach mal drauflos erzählen. Was dabei wohl entstehen würde?


Der Jugendbischof versicherte, dass unser Leben einen Sinn hat, seinen Sinn. Auch wenn wir in manchmal nicht sofort erkennen. Unser aller Leben hat einen Sinn. Wir müssen ihn nur noch finden. Gott hat einen Sinn für alle. Für dich und für mich. Für jeden einzelnen von uns! Es gibt einfach Situationen im Leben, die wir nicht verstehen können. Die unseren Verstand, unser Denken übersteigen. Es gibt Situationen, die uns plagen. Die uns fertig machen. Die uns in die Knie zwingen. Doch der wahre Weg ist es, sich vor diesem Geheimnis beugen zu können. Annehmen können, dass wir eben nicht alles verstehen können. Dass wir nicht alles begründen können.

Wir dürfen lernen, uns im Schmerz zu beugen. Unser Leiden aufzuopfern. Wie sehr hat Jesus am Kreuz gelitten! Welch Angst und Not musste unser Erlöser durchstehen? Und doch! ER hat ALLES auf sich genommen, um uns zu befreien. Um uns das ewige Leben zu schenken. ER nahm das erdrückende Kreuz, das auch IHN in die Knie gezwungen hat, auf SEINE Schultern. ER liess all dies Leid, all diese Not zu, um uns zu erretten. Jesus, Gottes Sohn ist für dich, für mich, für uns alle, für jeden noch so kleinen und traurigen Menschen gestorben! Um uns zu befreien. Von Schuld, Sünde und Leid.

So dürfen auch wir uns im Schmerz beugen. Ich kann nicht alles verstehen! Doch genau diese Situationen, die über unserem Verstehen und Denken stehen, annehmen. Annehmen, dass es sie gibt. Sich vor diesem Geheimnis beugen zu können. Gott nämlich übersteigt meine Gedanken, meine Gefühle. Darum muss ich mich selber übersteigen, um in dieses Grosse hineinwachsen zu können. Das allerdings kann ich nur, indem ich akzeptiere. Annehme. Mir wie die kleine Theresia von Lisieux den kleinen Weg vor Augen halte. Ganz klein werden, noch viel, viel kleiner, um Gott zu begegnen. Um meinen Sinn zu erkennen.

Denn Gott ist immer da! Auch das lehrte uns Marian Eleganti. Wertvolle Tipps schenkte er auch uns Jugendlichen, die vor allem vor grossen, aber auch vor kleinen Entscheidungen stehen. Wie kann ich erkennen, was mein Weg ist? Wie kann ich erkennen, was Gott von mir verlangt? Wie kann ich verstehen, was SEIN Wille, SEIN Weg für mich ist? Wie kann ich diese Angst, was kommen wird, ablegen? Wenn ich doch nicht mehr weiter sehen kann, als bis über meine Nasenspitze? Wie kann ich mich IHM ganz und gar anvertrauen? Mich IHM vollständig in SEINE Hände legen? Wie kann ich eine Entscheidung treffen? IHM mein Leben vollkommen überlassen?

Gott ist immer da! Das ist der Schlüssel. „Vor Gott ist alles nackt und sichtbar.“ Schon bevor du geboren wurdest, hat Gott all dein Leben festgehalten. Aufgeschrieben. In SEINEM liebenden Herz bewahrt. Auch wenn wir oftmals hadern. Auch zweifeln. Nicht wissen wie weiter. Lasst uns daran Freude haben, dass eben genau Gott unseren Weg kennt. Vor Gott ist alles nackt und sichtbar! Gott weiss, wie es mit uns weitergeht. Und er wird uns Schritt für Schritt auf unserem Weg zu IHM führen. Stück für Stück. Jeden Tag, jeden Augenblick ein bisschen mehr.

Allerdings ist es schwierig, unseren eigenen, von Gott geschaffenen und geschenkten Weg zu erkennen, wenn wir beginnen, uns unter einander zu vergleichen. Das kommt meist nicht so gut heraus. Wir fühlen uns alleine. Missverstanden. Klein. Wenn wir aber in unsere persönliche Wahrheit hineinwachsen, denn jeder Mensch hat eigene Begabungen und Charismen, finden wir unseren Weg. Gottes Plan für uns.

Auch das schlechte Gewissen ist an sich eigentlich ein gutes. Wir können es nicht einfach so ausschalten. Wir können es verdrängen, klar. Wir können es bei Seite schieben, in Ordnung. Aber nie, nie können wir es restlos ausschalten. Auch dieses schlechte Gewissen hält uns auf dem richtigen Weg zu Gott. Und wenn wir doch wieder und wieder schuldig werden, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns im Sakrament der Beichte immer aufs Neue seine tiefe Vergebung und Liebe schenken wird!

Nun also, wie entscheiden? Marian Eleganti wusste uns da einen ganz cleveren Satz mit auf unseren Lebensweg zu schenken: Bei Entscheidungen halbsicher, aber immer mit ganzem Herzen! Wenn der Weg, den wir wählen, uns ganz tief in unserem Herzen erfüllende Freude bereitet, jemand in meinem Umfeld spürt, ja, das könnte etwas für dich sein und ich zudem noch 5 gute Gründe habe, um diese Entscheidung zu treffen, ja dann steht ihr nichts mehr im Wege! Vergessen wir aber nie, Gott zu bitten, dass er uns die Kraft dazu schenkt, Entscheidungen zu treffen. Gott, gib mir bitte Kraft, hilf mir! Und wenn wir uns entschieden haben, kann Gott ja dann immer noch Korrekturen anbringen ;-) !
Nach diesem intensiven, ehrlichen und vom heiligen Geist geführten Gespräch verbrachten wir unseren Nachmittag mit verschiedenen Workshops. Die Teilnehmer des Festivals hatten die Qual der Wahl.


Der Workshop, „s’ungebore läbe“, beschäftigte sich damit, wie ein Mensch entsteht. Wie das ungeborene Kind sich die weiteren neun Monate im Bauch der Mutter entwickelt. Spannende Fragen zu verschiedenen Entwicklungsstufen des Ungeborenen wurden in einem spannenden Zusammensetzspiel vertieft. Ein eindrückliches Video verbildlichte das noch ungeborene Leben im Bauch der Mutter. Tiefgängige und berührende Texte rundeten den Workshop ab. Zärtlich und mit ganz viel Liebe gestaltet und vorbereitet wurde uns in diesem Workshop auch ganz, ganz fest ans Herz gelegt, für das ungeborene Leben zu beten. Wie wichtig es ist, für all die Ungeborenen einzutreten. Für all die abgetriebenen Kinder und abtreibenden Mütter einzustehen und zu beten. Sie mit unseren Fürbitten mitzutragen. Bei unserem liebenden Vater zu beten. Um seine grosse Liebe, seine tiefe Gegenwart in den Herzen aller schwangerer Frauen und aller Mütter und Väter zu bitten.

Weitere Workshops beschäftigten sich mit anderen Themen rund um das Leben. Das Oberthema aller Workshops trug nämlich denselben Namen: „släbe“. Da entstand auch noch ein Workshop über den gemeinnützigen Verein UNITY. Lauter junger, tatkräftiger Jugendlicher, welche sich für benachteiligte Menschen einsetzt und bereits im vergangenen Sommer 2010 eine Missionsreise nach Rumänien veranstaltet haben.

Oder der Workshop einer jungen Frau, die in beeindruckender Weise einen Film über ihre beiden behinderten Brüder geschaffen hat. Ein Thema, das in unserer heutigen Gesellschaft oftmals bewusst und gekonnt totgeschwiegen und versteckt wird wusste diese bemerkenswerte, junge Frau geschickt und gefühlsvoll zu verfilmen. Überhaupt waren all die Workshops ein voller Erfolg und viele glückliche Gesichter konnten sich am frühen Abend bei einer tüchtigen Portion Spaghetti Bolognese und Salat über das Gehörte und Gesagte austauschen.

Gegesättigt und munter machten wir uns also später zum eigentlichen Highlight unserer Reise auf: das Big-Adoray am Abend in der St.Oswald Kirche in Zug. Was uns Marian Eleganti bereits am Morgen verraten hat, dass Adoray mit Adoration, also Anbetung verwandt ist, wollten wir nun auch in die Tat umsetzen. Die Kirche war rappelvoll und bis auf die letzten Plätze besetzt, als ein kleines Begrüssungsvideo vorgestellt wurde und die Musik uns alle kurz daraufhin in den Lobpreis einstimmen liess. Nach einer intensiven und wunderschönen Zeit des Lobens, Preisens und Dankens für unseren Herrn und Gott, wurde das Allerheiligste ausgesetzt. Gott kam hinab zu uns. Er ist herniedergestiegen. In dieses kleine Brot. In diese Hostie in der Monstranz auf dem Altar. Mitten unter uns! Gott war und ist bei uns! In jeder noch so winzigsten Ecke dieser Kirche, in jedem noch so kleinsten Winkel unseres Herzens wirkte Gott an diesem Abend, in dieser Nacht. Mitten unter uns. Abba, father, I lay my life in your hands! Abba, Papa, ich lege mein Leben in deine Hände! Ich überlasse mich dir! Ich schenke mich dir! Wirke du IN und DURCH mich! Damit ich der Welt ein kleines Lichtlein sein darf.

Liebevoll gestaltete Beichtplätze in einzelnen Kirchenbänken luden zum Sakrament der göttlichen Vergebung ein. In jeder Beichte war Jesus da. Ist Jesus da. Wir durften IHM all unsere Schuld darlegen. Er hat uns reingewaschen. Er hat uns erlöst. Durch sein kostbares Blut sind wir erlöst worden! „Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus!“

Das Allerheiligste, unser Herr und Gott, war die ganze Nacht in der St.Oswald Kirche mitten unter uns. Die ganze Nacht hindurch bot sich die Möglichkeit zur Anbetung. Auch wurde gegen zehn Uhr im Pfarreizentrum ein Chillout organisiert. Zu Musik und ein, zwei Drinks konnte gemütlich zusammen gesessen, Erlebtes noch einmal ausgetauscht werden. Es wurde getanzt, gefeiert und man liess gemeinsam den Abend ausklingen.

Danach gings für manche ein wenig früher, für die anderen ein wenig später ;-), zu unserem Schlafquartier, zur Zivilschutzanlage in Zug. Nach einem kleinen, nächtlichen Spaziergang an der frischen Luft hatten wir uns bald in unsere Schlafsäcke eingekuschelt und die Ersten von uns träumten schon von diesem oder jenem Erlebnis des vergangenen, so tollen und wundervollen Tages…

Ich will das Morgenrot weeeecken!! Dank der Zeitverschiebung sogar eine Stunde länger geschlafen, was allerdings nicht ganz alle mitbekommen haben ;-), gings am nächsten Morgen genauso spannend weiter, wie der gestrige Tag geendet hatte. Geschwind geschwind den Schlafsack zusammengerollt, das letzte Gepäck verstaut und los zum Frühstück! Im Pfarreizentrum wartete nämlich schon leckere Marmelade und eine warme Milch, Tee oder Kaffee auf unsere hungrigen Adorayler. Hmmm… tat das gut!

Ein weiteres Mal gestärkt und mit einem Funkeln in den Augen führte uns unser Weg zum letzten Teil des Adoray-Festivals: Die heilige Messe, welche wir in der St.Oswald Kirche mit der Zuger Bevölkerung als Jugendgottesdienst mitgestalten durften. Ein letztes Mal wurde in dieser so wunderschönen und besonderen Kirche gedankt, gesungen, gebetet, den Herrn gepriesen und gelobt. Jesus war im heiligen Sakrament der Eucharistie IN und MIT uns. ER hat in unserer Mitte mitgesungen, sich mit uns gefreut. Gott war bei uns. Gott ist bei uns. Immer. Dies wurde mir und bestimmt vielen anderen in diesen kostbaren und so unglaublich wertvollen Augenblicken ein weiteres Mal ganz tief in unseren Herzen bewusst.

Nun hiess es Abschied nehmen. Die, oder zumindest die Mehrheit ;-), der Walliser zurück ins Wallis, die St.Galler zurück nach St.Gallen, die Zürcher zurück nach Zürich usw. Jeder einzelne von uns trat seinen ganz eigenen Heimweg an. Jeden von uns erwartete zu Hause seinen persönlichen Alltag, sein ganz individuelles Leben. Und doch gab es etwas, dass wir alle gemeinsam hatten, was uns alle verband und vereinte: Gott ging, geht mit ihnen! Ja, Gott ging, geht, mit jedem einzelnen von uns! Mit dir und mit mir. Mit uns allen.

So gings für uns Walliser zurück in den schönsten Kanton der Schweiz :-). Beim Mittagessen an der Raststätte wurde über das vergangene Wochenende diskutiert, verhandelt und kommentiert. All die verschiedenen Eindrücke, all das Erlebte miteinander teilen zu können bedeutet mir immer wieder unendlich viel.

Ein letztes Highlight unseres Abenteuers erwartete uns freilich noch ganz spontan und unerwartet beim Autoverlad bei Realp. Leise und sanft begann schon hier der Regen wie pures Glück auf unsere drei Autos zu prasseln. Doch diese Tatsache konnte einige, junge und tanzbegeisterte Menschen nicht davon abbringen, einen spontanen Regentanz, äh,… Volksmusiktanz aufzuführen und die ganzen Autoverladtouristen zu unterhalten. Was für ein Fest, da mitten im Regen! Man stelle sich das so vor: gute, alte, oder auch ein bisschen neuere Ländler-, oder auch Nichtländler Musik. Viele junge, vom Holy Spirit erfüllte und glückliche junge und junggebliebene Menschen. Und eine riiiiiiessengrosse Portion Freude und Zufriedenheit in den Augen und im Herzen all jener Freunde! Klitschnass aber mit einem strahlenden Funkeln in den Augen traten wir die letzten Kilometer unserer Heimreise an, nachdem wir uns in Fürgangen alle verabschiedet hatten, nicht das Versprechen vergessend, bald wieder ein solch Abenteuer miteinander und vor allem mit Gott in unserer Mitte zu starten!

Und jetzt, wenn ich hier so sitze. An meinem Fenster. Tropf. Tropf. Tropf. Der Regen, der immer noch so sanft und geschmeidig gegen meine Fenster klopft. Tropf. Tropf. Tropf. So wird es mir immer deutlicher bewusst. Welch Glück ich erleben darf. Welch unbeschreibliches Glück Gott uns allen, zuteil kommen liess, einander zu haben… So finster unsere Nacht manchmal auch sein mag. So ausweglos unsere Situation. Wenn wir Gott vielleicht nicht mehr spüren, wie er uns trägt. Wenn wir zweifeln. Wenn wir keine Hoffnung mehr haben. Da seid ihr. Da sind wir. Lebendiges Feuer des Herrn. Einander zuhören. Einander immer wieder tragen. Einander Halt sein. Bis die Sonne ihren Weg hinter den Regenwolken hervor findet und uns scheu ins Gesicht blinzelt. Die Finsternis zerrissen wurde. Mit und durcheinander. Für den Herrn.

So möchte ich es zum Schluss nicht unterlassen, im Namen vieler danke zu sagen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sogar bei 20 Jugendlichen immer noch so tolle und unendlich wertvolle Menschen dazu bereit sind, mit uns in ihr Auto zu steigen, um unsere Reise anzutreten. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass sie ihr komplettes, wohlverdientes Wochenende aufopfern, um uns zu begleiten. Gott zu loben und Gott zu preisen. Zu beten. Aufzutanken. Gott zu suchen und ein kleines Stück Himmel auf Erden zu finden.

Im Namen vieler möchte ich euch ganz recht herzlich DANKE sagen. Danke, für eure Geduld. Danke, für eure Bereitschaft. Danke für eure Hilfe, euer Dasein. Euer Zuhören und all eure Dienste.

Danke auch den Organisatoren des Festivals und allen Helfer.

Danke auch euch allen, mit denen wir immer wieder aufs Neue so tolle und eingängige Momente erleben dürfen.

Danke für die unbeschreiblich tolle und unvergessliche Zeit. Danke für all die Momente, in denen wir zusammen lachen, diskutieren, singen und beten können. Für euch alle, die wir einander immer wieder tragen und uns Halt sein dürfen.

Danke für jedes einzelne, so wertvoll und kostbare von euch – kein Wunder weint der Himmel vor Freude und Glück! +++