Adoray-Festival Oktober 2011 Zug
„Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun!“
Doch was genau bedeutet denn DAS Gute? In einer so schnelllebigen Welt wie der unseren ist es nicht immer einfach, als Jugendliche und Jugendlicher zu erkennen, was DAS Gute ist. Aus so vielen Möglichkeiten können wir wählen. So viele Wege können wir gehen. Wer allein jedoch kann uns DAS Gute schenken? Durch wen und mit wem können wir DAS Gute tun? Es ist nicht immer einfach, DAS Gute zu erkennen und zu vollbringen. Doch durften wir kleine Wallisergruppe mit vielen anderen jungen, gläubigen und aufgestellten Menschen am vergangenen Wochenende erfahren, was es bedeutet, DAS Gute zu erleben. Uns in der Gegenwart Gottes dem Guten zuzuwenden. Im Licht des Guten aufzutanken. Es in unsere Herzen aufzunehmen, zu bewahren, um es euch und vielen anderen jetzt in unserem Alltag weiter zu schenken. Das Gute, das von Gott kommt. Von Gott, der das unendlich Gute ist und der uns diese Güte immer wieder auf’s Neue zu schenken begehrt.
Ein Freitagabend anfangs Oktober. Kurz vor 17 Uhr. Die Stimmung auf dem Bahnhof in Visp ist sehr hektisch. Viele Menschen rasen vorbei. Sind da und schon wieder weg. Feierabendstress. Das Wochenende steht bevor. Nur für einen kurzen, unscheinbaren Moment verstummt all das Gehetze. Ein kleiner Kreis junger Menschen hatte sich gefunden und brach zusammen auf zu einem neuen Abenteuer; das Adorayfestial. Zuuuuuug, wir kommen!
Noch ganz ausser Atem kämpfte sich die kleine Vispertruppe im Zug immer weiter vorwärts Richtung Bistrowagen. Endlich, die Brigergruppe gefunden, alle Koffer und Taschen heil verstaut und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Wie schön war es, die Vorfreude, welche schon die vergangenen Tage in unseren Herzen wuchs, miteinander teilen zu können! Die Walliserflagge an der Abteiltüre befestigt und die Zeit verging im Zug nach Zug wie im Flug! :-) In Zürich umgestiegen kamen wir kurz vor acht Uhr putzmunter und voller Spannung am Bahnhof in Zug an. Im Direkttempo und ziemlich zügig fokussierte sich unsere ganze Aufmerksamkeit nur noch auf den Burgbachsaal, welchen es so schnell wie möglich zu finden galt. Bald schon trafen wir am besagten Ziel ein. Geschwind eingecheckt, das Gepäck verstaut und einmal tief durchgeatmet gesellten wir uns zu den ersten Teilnehmern in den spärlich beleuchteten Saal.
Wow! Im wahrsten Sinne wow! Als wir die halbdunkle, schon recht gefüllte Aula betraten, fiel mein Blick auf die grosse Leinwand, welche von den grossen, weissen Lettern „WOW“ geziert wurde. Mit dieser hier ablaufenden Präsentation wurden alle Gebetsgruppen und Adorays vorgestellt, so auch das Worship on Wednesday aus Zürich. In diesem Moment wusste ich: Wow, du bist am richtigen Ort! Wow, Jesus hat dich an den richtigen Platz geführt. Ich fühlte grosse Dankbarkeit in meinem Herzen aufsteigen und liess mich auf einen der für uns bereitgestellten Stühle plumpsen. Wow, was mich wohl erwarten würde?
Nach einer kurzen „üsserschwiitzer“ Begrüssung und einem kurzen Willkommensgruss der ganzen Adorays und deren verwandten Gruppierungen erwartete uns bereits das erste Highlight dieses Wochenendes: das Musical „Fight for Light“ von Georg Mayer-Melnhof und „seinen“ österreichischen Jugendlichen. Mit sehr viel Feingefühl und Glaubhaftigkeit erzählten die jungen Schauspieler die Geschichte von Jakob und Elisabeth. Jakob, der taffe, unnahbare Junge, der seine Probleme lieber mit Alkohol und wilden Partys zu lösen versucht, trifft auf die bildhübsche, lebensfrohe, herzensgute und tief im Glauben und Gott verwurzelte Elisabeth. Die beiden verlieben sich ineinander und eine zarte Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Da die beiden allerdings unterschiedliche Meinungen zum Thema Sexualität vertreten, verkrachen sich die beiden zunehmend. Jakob leidet sehr unter der Trennung, begeht aber in seiner Trauer und Verzweiflung einen fatalen Fehler: Auf der nächsten ausgelassenen Party lässt er sich zu einem nächtlichen Abenteuer hinreissen. Seiner Schuld bewusst, erträgt Jakob seine Lügen nicht mehr und beichtet die ganze Geschichte voller Reue Elisabeth. Doch das Herz des Mädchens ist zerrissen. Zerbrochen in 1000 Stücke. Mit einer Herz zerreissenden Ballade legt sie all ihren Schmerz, all ihre Verzweiflung, ihre Enttäuschung, ihren stummen Schrei und die Scherben ihrer Liebe in die Hände Gottes, unter das Kreuz Jesu. Diese Szene hat mich persönlich und wahrscheinlich auch ganz viele weitere Herzen sehr sehr tief berührt und ergriffen. Ein junger Mensch, so enttäuscht, so traurig, so hilflos. Und doch stand Elisabeth gerade unter dem Kreuz. Bat und bittete zu Jesus, unserem Herrn. Der all unsere Schuld auf uns genommen hat. Der für uns gestorben ist. In all ihrem Leid schaffte es Elisabeth sogar, für Jakob zu beten. Tapfer wie unsere Mutter Maria stand sie unter dem Kreuz und beugte sich dem Willen Gottes. Als sich kurz darauf Jakobs bester Freund Philipp das Leben nahm - was die jungen Schauspieler anhand des Todes und eines Engels sehr berührend und ergreifend darstellten - und nun auch noch Jakob mit dem Gedanken spielt, allem ein Ende zu setzen, greift Gott in seiner allmächtigen Güte ein. Er spricht zu Jakob; nur drei Worte, ganz leise, und doch drangen sie sehr tief in das Herz des jungen Mannes und deren des tief bewegten Publikums: „Ich bin da.“ Jakob bat Elisabeth um Verzeihung und die beiden wagten einen Neuanfang. Einen Neuanfang mit und in Gott. Mit einer gelungenen Schlussszene um das Kreuz Jesu stehend, verleiten die jungen Talente ihrer Liebe zu Gott Ausdruck. Ein wundervolles Finale und viel Beifall war da garantiert, einfach Hollywoodreif!
Nach dieser wundervollen und tief ergreifenden Aufführung führte uns unser Weg weiter in die Kirche St. Oswald, wo nach einer Zeit des Lobpreises Gott ganz persönlich in der Gestalt der Hostie auf uns wartete. Wir durften eine von der Gaissmattbänd wundervoll gestaltete Anbetung miterleben und daraufhin in einer kleinen Prozession mit Jesus, unserem Herrn in die Klosterkirche der Seeligpreisungen weiterziehen. Hier strahlte nun unser Herr 36 Stunden lang. Und wir durften IHN besuchen, sooft wir wollten, wann immer wir das Bedürfnis nach seiner grossen, unendlichen Liebe verspürten.
Die ersten Teilnehmer des Adorayfestivals fanden ihren Weg zurück in den Burgbachsaal, wo der Film „Liebesleben“ vorgeführt wurde. Wieder andere verbrachten ihre Zeit vor dem Allerheiligsten. Auch die Gruppe der Walliser hatte die Ehre, eine Anbetungsstunde von 24:00 bis 01:00 Uhr zu gestalten. Mit viel Liebe und Geduld und ganz viel Hingabe durften wir eine weitere Stunde vor und in Jesus ruhen. Für mich war dies eine sehr erfüllende und beruhigende Zeit. All denen, die mit uns in diesen Minuten angebeten haben, sei herzlich gedankt. Wir sind immer miteinander im Gebet verbunden. Und da neigte sich der erste Abend des Adorayfestivals auch schon dem Ende zu. Einige ein wenig früher, andere ein wenig später, fanden wir schlussendlich alle unseren Weg zu den Schlafquartieren, den Turnhallen.
Ich will das Morgenrot wecken, will mich erheben und siiiiiing!! :-) Diese Klänge erfüllten am nächsten Morgen die Kirche St. Oswald, nachdem wir uns mit einem ausgewogenen Frühstück stärken durften. Nach einem fetzigen Morgenlob und einer Kraft schenkenden Eucharistiefeier folgte bereits der nächste Höhepunkt des Festivals: Es war Zeit für die erste Katechese von Georg.
Viele von uns kennen Georg wahrscheinlich schon vom Fest der Jugend in Salzburg. Dieser Mann ist ein absolut genialer Mensch! Jeder und jede, der bereits die Ehre hatte, Georg zuzuhören zu dürfen, weiss, was ich meine. Georg, Theologe und Familienvater, spricht mir, ja allen von uns so aus den Tiefen Herzen, aus tiefster Seele. Georg berührte in Zug sehr viele Herzen und seine Worte waren ein unaussprechlich grosses Geschenk des Himmels! Im Folgenden versuche ich euch ein paar Impulse aus seiner Katechese weiter zu geben. Danke, Jesus, hast du uns durch Georg dein Wort geoffenbart. Danke Jesus, hast du in Georg zu uns gesprochen. Danke Jesus für Georg und sein JA!
Ganz zu Beginn seines Vortrages blickte Georg hinauf zum Himmel und fragte: „Ist es genau das, was du möchtest, Herr?“ Georg verdeutlichte uns in den folgenden Minuten, dass wir nur ein Leben haben. Er erzählte uns, dass Gott ihm ins Herz gelegt hat, dass wir uns ganz für IHN entscheiden sollen. Denn der Himmel ist unsere erste Berufung, der Himmel ist unser erstes Ziel. Der Himmel blieb auch der rote Faden, das Grundraster seiner ersten Katechese. Georg wollte uns immer mehr klar machen, dass dieses, uns gegenwärtige Leben sehr sehr kurz, und vor allem nicht alles ist. Wir befinden uns hier nicht in der Ewigkeit, sondern erst in deren Vorbereitung. Deshalb tragen wir Verantwortung für unser uns von Gott geschenktes Leben und wir sind dazu verpflichtet, das Beste herauszuholen.
Immer wieder aber gibt es Menschen, ganz bestimmt auch in unserem Umfeld, die uns davon abzuhalten versuchen. „Übertreib nicht“ , „Fall nicht auf“. Diese und ähnliche Sätze sind ganz bestimmt allen von uns bereits zu Ohren gekommen. Georg aber zielte plötzlich auf einen ganz anderen Aspekt: „Alle sind sie gestorben.“ Mit alle meinte er unsere Ururgrossväter, unsere Urgrossväter, unsere Grossväter. Aber auch den Seligen Papst Johannes Paul (welcher für uns und Georg ein grooosses Vorbild und ein fürsorglicher Fürbitter sein darf) und viele weitere bewegende Persönlichkeiten.
Jedoch stellt der Tod immer noch ein grosses Tabuthema in unserer Gesellschaft dar; darüber spricht man nicht. Vielmehr versuchen wir die Allgegenwärtigkeit der Möglichkeit des Todes zu verdrängen. Beiseite zu schieben. Einfach nicht daran zu denken. Georg versuchte dieses Phänomen mit dem Urplan Gottes zu verdeutlichen: Der Mensch, jeder von uns, hegt ganz tief in uns diese Sehnsucht nach Leben! Dieser unerschütterliche Wille, dieser Drang, leben zu wollen! Jeder und jede von uns strebt nach der kompletten Fülle des Glücks, der Hoffnung, der Freude, der Liebe und des Lebens. Obwohl unser Leben doch nur eine Reise verkörpert. Eine endliche Reise hin zur unendlichen Ewigkeit. Deshalb stellte uns Georg die Frage, wozu wir eigentlich hier auf Erden sind? Zur deren Beantwortung zog er den Youcat, den katholischen Jugendkatechismus zu Rate. Bereits auf dessen ersten Seiten kann man lesen: Wir sind hier auf Erden um 1) Gott zu suchen 2) Gott zu lieben 3) Gutes zu tun und 4) einst in den Himmel zu kommen. Auch die Gospa verkündet uns dies immer wieder in Medjugorje. Unsere Mama Maria erscheint für uns noch immer, damit wir glücklich sind und wir in den Himmel kommen.
Und doch haben wir sooft Angst davor, in diesen Himmel zu kommen. Georg erläuterte, das wäre so, als würde man Embryonen im Mutterleib erklären wollen, wohin ihre nächste Station führt. So wohlig warm im Schosse der Mutter müssten sie merken, dass immer wieder Kinder den Bauch ihrer Mama verlassen. Und keiner von ihnen ist je zurückgekehrt. Keiner könnte ihnen je erzählen, was sie „danach“ erwarten würde. Dieser Vergleich hat mich sehr beeindruckt und mich zum Nachdenken eingeladen.
Weiter führte Georg aus, dass wir allerdings mehr Informationen als diese ungeborenen Kinder besitzen. Wir kennen Jesus von Nazareth. Wir kennen sein Heil bringendes Evangelium und wir wissen, dass er es ist, der am dritten Tag auferstanden ist, aufgefahren in den Himmel ist und nun zur rechten des Vaters sitzt. Wir sind vertraut mit den Sehern, Mystikern unserer Zeiten, die in den Himmel blicken konnten. Doch können auch wir uns so oft nicht vorstellen, was es bedeutet, in den Himmel zu gelangen. Diese Vorstellung ist so unvorstellbar, so unverstehbar, trotz unseres Verstandes unerklärlich. Georg ermutigte uns aber immer wieder genau deshalb zu glauben. Er stellte uns Jesus Lieblingsjünger Johannes zur Seite. Johannes, der seinen besten Freund Jesus geliebt hatte. Johannes, der seinen besten Freund am Kreuze sterben sah. Johannes, der nichts mehr für Jesus tun konnte. Und doch, Johannes, welchem Jesus nach seinem Tod erschienen ist. Johannes, der diese Herrlichkeit nicht fassen konnte und wie tot zu seinen Füssen fiel. Georg ermutigte uns, die Geschichte der Offenbarung zu studieren und ihr Raum zu geben in unserem Leben.
Weiter versuchte uns Georg näherzubringen, wie die Bibel sich die Herrlichkeit Gottes im Himmel vorstellt. Rund um den Thron des Lammes würde für immer und alle Ewigkeit Powerworship angesagt sein! Wir müssen nichts mehr glauben, nichts mehr hoffen, nicht mehr zweifeln und nicht mehr hadern. Wir dürfen Gott anbeten, ewig und immer und werden glücklich sein! Georg ermutigte uns jetzt und heute uns schon auf diese Ewigkeit vorzubereiten. Einen Marathon könne man ja auch nicht ohne Training laufen, es wäre gar lebensgefährlich – und wie recht er doch hat! Es ist wichtig, dass wir jetzt schon beginnen zu üben, für die Ewigkeit. Gott anzubeten, im Hier und Jetzt. Denn der Himmel beginnt schon hier, mitten unter uns, in unseren Gebetskreisen.
Georg gelang es, uns durch seine Vertrauen erweckende und Sicherheit schenkende Art zu ermutigen, heute schon Gott zu suchen, IHN zu lieben und gut zu sein. Damit wir einst in Herrlichkeit bei IHM ruhen dürfen. An SEINEM liebenden Herz. Denn wer möchte schon schmutzig und in zerlumpten Kleidern dastehen, wenn der Herr zum Hochzeitsmahl ruft?
Mit vielen bunten Metaphern traf Georg uns Jugendliche mitten ins Herz. Wir sollen uns erheben, wie ein Adler in den Himmel. Die Urberufung dieses Greifvogels besteht nämlich darin, zu fliegen. Nicht ängstlich und zögernd auf einem Stein zu hocken und betrübt und sorgenvoll ins Tal zu blicken. Nein! Ein Adler soll sich in die Lüfte erheben, in die Freiheit, zu und in Gott.
Dabei begannen wir uns zu hinterfragen; sind wir wirklich die glühenden Heiligen, zu denen uns Papst Benedikt aufgefordert hat? Oder sitzen gefesselt wie der ängstliche Adler auf dem Felsvorsprung? Unser Ziel muss doch der Himmel, die Heiligkeit sein! Georg übersetzte uns das Wort „heilig“ in unsere Jugendsprache; „cool“ :-) Immer wieder betonte Georg, dass unser Ziel der Himmel sein muss, und dass wir uns diese Himmelssehnsucht von Gott erbitten dürfen. Nütze also diese Zeit, um dich auf den Himmel vorzubereiten!
Nach diesen starken und ehrlichen Worten folgte ein kurzer, auflockernder Lobpreis und zusammen durften wir den Engel des Herrn beten, da es bereits Mittagszeit schlug. Trotz des immer noch anhaltenden Regens konnte uns niemand das Mittagessen - feiner Risotto :-) - vermiesen und wir genossen diese gemütliche Auszeit miteinander in vollen Zügen. Auch die Mittagspause bot viel Raum für neue Begegnungen und ausgelassene Momente. Dann aber hiess es wieder: Zeit für eine weitere stärkende Katechese und langsam aber sicher machten wir uns auf den Weg zurück in die St. Oswald Kirche, wo Georg schon auf uns wartete.
Abermals erinnerte er uns daran, seine Worte aufzunehmen wie einen Fisch. Wenn wir uns an seinen Worten, an irgendetwas zu stören beginnen, sollen wir dies „ausspucken“ wie eine Fischgräte. Wir sollen uns an das Fleisch halten. Denn ansonsten bestünde die Gefahr, uns zu verschlucken. Doch Gott ruft, wo er es für den richtigen Zeitpunkt hält. „Wenn der Herr dich berühren will, dann Zagg, dann tut er’s!“
Im Verlauf des Nachmittags versuchte Georg uns den Unterschied eines Normalchristen und deren des Superfrommen näher zu verdeutlichen. Georg meinte, dass viele von uns, ja eigentlich alle, geliebt werden wollen, lachen wollen, uns wohlfühlen, Teil einer tollen, coolen Clique sein zu wollen. Doch das Bild der Christen in der heutigen Gesellschaft wird immer ein wenig falsch und mit Vorurteilen betrachtet. Leicht provozierend meinte Georg: „Christen tragen nur Birkenstocksandalen und lange Röcke.“ „Christen riechen nach Weihrauch“ Nur die wenigsten Menschen würden wissen, dass es auch fröhliche Christen gibt, die Spass haben. Tiefe Freude! Das Leben geniessen.
Georg predigte über den normalen Christen, welchen drei besondere Kennzeichen charakterisieren:
1. Der normale Christ trifft eine ganz bewusste Entscheidung für Jesus, und zwar bereits in der Taufe.
2. Ein normaler Christ, zu denen wir gehören wollen, übergibt sein Leben bereits in der Taufe dem Gesalbten, Jesus.
3. Der normale Christ besitzt ein belehrbares Herz. Die Belehrbarkeit ist ein wichtiges Indiz ein jedes normalen Christen und war bereits ein Hauptkriterium bei der Auslese der Jünger von Jesus.
Um ein belehrbares Herz zu erlangen erfordert es oftmals sehr viel Demut.
4. Ein normaler Christ ist bereit, Jesus JEDEN Tag zu suchen. Bereits in Jeremia 29 sprach Jesus zu uns: „Wenn du mich von ganzem Herzen suchst, wirst du mich finden!“ Jesus zu suchen und zu finden ist eine Lebensaufgabe. Nie können wir Jesus ganz finden. Aber es geht um mehr. Die Gewissheit, IHN zu suchen. Jesus sagt: „Meine Schafe kennen ihren Hirten.“ Auch wenn wir SEINE Stimme unter den vielen nicht immer hören. Je tiefer ich nämlich mit Jesus gehe, desto stiller wird’s…
5. Ein normaler Christ ist bereit, gegen seine kleinen Ketten und Stricke zu kämpfen.
Wir sollen uns fragen:„Was ist meine grösste Sehnsucht im Leben?“ Denn der Herr ruft ein neues Volk.
Georgs Worte schenkten viel Mut und Kraft und er bestärkte uns, von etwas Grossem zu träumen, wenn auch der Weg der Nachfolge Jesu der ganz Kleine ist. Zum Abschluss seiner Katechese stellte uns Georg diesen „kleinen Weg“ vor. Wir würden viele Zeichen und Wunder erleben, wenn wir mit Jesus den kleinen Weg gehen. Ganz im Sinn der kleinen heiligen Thèrese von Lisieux, einer ganz wunderbaren Heiligen. Der Weg der Nachfolge Jesu beginnt ganz im Verborgenen, im ganz Kleinen. Ein liebes Wort für die alte Nachbarin. Eine Umarmung für die traurige Freundin. Ein stiller Blick voller Liebe für den kranken Mann. Ein kleines Bonbonpapier – schwupps, in den Abfall geworfen, auch wenn’s nicht mir gehörte. Die von Georg liebevoll getaufte Klobürste „Urs“, die ihre Anwendung durch das freundschaftliche Verhältnis mit ihr auch immer wieder fand, eine ausgeräumte Geschirrwaschmaschine. Ein stilles Segesnwort für meine beste Freundin, oder noch besser, die grösste Klassenzicke überhaupt… Alles grosse Schritte auf dem kleinen Weg der Nachfolge. Denn für dich, Jesus. Jesus nur für dich! Jesus für dich… Denn Jesus, so wird dein Reich kommen. Dein Reich komme und wir werden nicht müde, das Gute zu tun. Hier bin ich, Herr. Sende mich, so wie du es willst. Damit dein Reich komme. Dein Wille geschehe.
Georg schloss mit den Worten: „Gott ruft nur Freiwillige. Und nur du kannst IHM die Tür deines Herzens öffnen. Denn Gott klopft an. An die Türe deines Herzens, welche keine Klinke kennt. Er klopft an, wie ein Bettler. Nur müssen wir IHM öffnen.“ Georg ermutigte uns ein weiteres Mal, dass wir freie Männer und Frauen werden müssen. Frei wie der Adler, auf dem kleinen Weg der Nachfolge.
Abermals durften wir einen entspannenden Lobpreis geniessen und daraufhin wartete ein gemütliches zVieri mit Biberli und Tee auf uns. Danach konnte es sofort weitergehen mit einem nächsten Highlight; die Podiumsdiskussion, welche vom neuen, katholischen Jugendradio fisherman.fm mitorganisiert wurde. Behandelt wurden drei ausgewählte Fragen aus dem bereits oben erwähnten Youcat. Auf eine lustige, lockere Art wurden ernste Fragen wie „Was ist der Sinn der Welt?“ oder „Ist die Welt ein Zufall?“ untersucht. Mithilfe von Passanteninterviews, welche in kleinen Filmsequenzen eingespielt wurden, versuchten die Teilnehmenden Diskussionspartner (u.a. Jugendbischof Marian Eleganti, Diakon Urban Camenzind, eine Schwester der Seligpreisungen, Georg Mayr-Melnhof…) diese und ähnliche Themen zu behandeln. Es war eine sehr lehrreiche und informative Zeit, welche unseren Glauben sehr zu nähren vermochte.
Nach dieser seelischen Powernahrung aber konnte auch unser Körper ein wenig Stärkung vertragen. Den Hunger mit Kartoffelstock, Cervelat und Salat besänftigt und nach vielen interessanten und ermutigenden Diskussionen mit neu gefundenen und alt bekannten Freunden rückte das allergrösste Highlight, das Bigadoray, immer näher. Voller Vorfreude im Herzen machten wir uns auf zur Kirche St. Oswald, welche nun mit vielen, hell leuchtenden Kerzenlichtern beleuchtet wurde. Es fühlte sich an wie Nachhausekommen, als ich die schon rappelvolle Kirche betrat. Mein Herz, irgendwie gerade noch ganz aufgewühlt von all dem Erlebten und Gehörten, wurde immer ruhiger und so sassen wir gespannt in die Kirchenbänke, um ein letztes Mal Georg zu lauschen.
In seinem letzten Impuls sprach Georg von der Körpersprache. Er ermutigte uns, wenn Jesus doch jetzt gerade kommen würde, mitten unter uns, wenn Jesus durch unsere Reihen ging und vor uns Platz nahm, unsere Hände zu öffnen, unser Herz zu öffnen. Körpersprache nämlich war die einzige Sprache, die nicht lügen konnte. Durch unseren Körper können wir Gott zeigen, wie sehr wir IHN verehren und anbeten.
Und dann war es endlich soweit. Das Allerheiligste wurde hineingetragen und wir durften bei Gott sein. Jeder und jede auf seine ganz persönliche Art. Unsere Herzen flogen IHM zu, wie der Adler in der Luft. Wir durften IHM unser Leben übergeben. Wir durften in SEINER Gegenwart ruhen, uns an SEIN liebendes Herz schmiegen, in SEINE starken Arme. ER, unser Retter. ER, unser Tröster. ER, unser Beschützer. ER, unser Jesus. Bruder und Herr. Gestorben für uns. Hingegeben SEIN Leben, damit wir leben können. Uns vorbereiten können auf SEIN Reich, das da kommen wird. Die Ewigkeit, welche uns erwartet. Die Ewigkeit mit und in IHM. Unser Heil. Unsere Zuflucht. Unsere Liebe.
Jesus war jedem von uns ganz nah. Ob wir es gespürt haben oder nicht. Ob Tränen unser Gesicht bedeckt haben oder ob unsere Lippen ein seelig Lachen zierte. Ob wir sangen oder ganz still waren. Jesus war da. In unseren Herzen. Ganz tief. ER hat sich ganz klein gemacht. Ist herniedergestiegen in diese kleine Hostie und direkt in unser Herz. ER klopfte an unser Herz, ganz leise, ganz sanft. Jesus ist da, auch wenn wir es nicht immer spüren. Jesus ist da. Und trägt uns hindurch. Bis in SEINE Ewigkeit.
So trug uns Jesus, jedes einzelne von uns durch diesen tief gesegneten Abend. Nach dieser Zeit der Anbetung standen uns wieder sehr viele Wege und Möglichkeiten offen. Es waren sehr viele Priester anwesend, welche uns von unseren Sünden befreien und ganz nah an das Herz Jesu führen wollten. Auch Jesus selber wollte uns in der Beichte erlösen und empfing uns auch weiterhin in der Klosterkirche in der heiligen Anbetung. Wer Jesus gerne in die weite Welt tragen wollte und sich mit Gleichgesinnten über Erfahrungen und Erlebnisse austauschen wollte, konnte das bei einem gemütlichen Drink und entspanntem Zusammensitzen bei chilliger Musik im Burgbachsaal erleben. So hat Jesus jedem von uns seinen ganz persönlichen Weg gezeigt und uns an den Platz geführt, an dem wir uns wohlfühlen und ER Freunde an uns hat.
Nach einer weiteren Nacht in der Zuger Turnhalle (die Jungs hatten mit der Turnhalle im Burgbachsaal wesentlich den kürzeren Heimweg gezogen) standen wir am nächsten Sonntagmorgen, gestärkt vom so super organisierten Frühstück mit gepackten Koffern vor dem Burgbachsaal. Wir durften an der Laudes der Gemeinschaft der Seeligpreisungen teilhaben und uns von ihrem Gebet mittragen lassen. Das Allerheiligste fand an diesem Wochenende nun den Weg zurück in den Tabernakel der St. Oswaldskirche, woraufhin wir als Gemeinschaft den Sonntagsgottesdienst zusammen mit der Gemeinde in der St. Michaelskirche feiern durfte. Jesus wurde uns in Leib und Blut geschenkt und ein letztes Mal wurden wir gestärkt für unsere Reise zurück in den Alltag. Doch immer mit Gott. Denn ER ist in uns. ER bleibt bei uns. Heute und alle Tage. Bis in Ewigkeit.
So fanden drei unbeschreiblich schöne Tage ihren Abschluss in einem kleinen Abschlussapéro im Burgbachsaal. Ein letztes Mal wurde geredet, gelacht und gedankt und unter lauten und jubelnden Abschiedsworten machte sich der Grossteil der Wallisertruppe auf, immer in Richtung Bahnhof, den nächsten Zug Richtung Heimat im Blickwinkel. Nachdem auch die letzten müden Wanderer sich verlaufen und dann doch noch zum Bahnhof gefunden haben ;-) und alle mit Proviant eingedeckt worden sind, konnte die Heimreise angetreten werden.
Zunächst ein wenig müde und erschöpft von den aufregenden drei Tagen wurde leise geschwatzt, Erfahrenes ausgetauscht und ab und zu aus dem Zugfenster zurück in Richtung Zug geblinzelt. Wie schön es doch war! Diese Freude, welche in jedem von uns schlummerte, musste Ausdruck verliehen werden! Alle Liederfolien gefunden, das Bongo parat und los ging‘s mit Lobpreis im Zug! War das ein Erlebnis! All unsere Freude, all unseren Dank, unsere Zuversicht, unsere Kraft und unsere Liebe konnten wir in diese Lieder legen. Es war ein wunderschönes Gefühl, Gott zu haben, einander zu haben, miteinander auf dem Weg zu Gott zu sein.
Aber auch die Wärme Sonne - welche nach dem Neattunnel im Wallis unter Jubelgeschrei der Walliserhymne aufzuleuchten begann – vermochte den kleinen Wehmutstropfen, der auf mein und wahrscheinlich auch manch anderes Herz tropfte, nicht zu stoppen. Ein letztes Mal blickte ich in die Runde. All diese glücklichen Gesichter. Was für ein Geschenk ihr alle doch seid! Müde von diesen drei wundervollen Tagen. Aber so voller Hoffnung. So voller neuer Kraft. Voller neuer Holy Spirit. Voller neuem Vertrauen und voller Liebe. Ich blickte in strahlende Augen und offene Herzen und da wusste ich: Jesus geht mit uns. Unseren Weg. Egal wo wir uns gerade befinden. Egal wie sehr wir IHN spüren oder nicht. Jesus ist da. Er ist wahrhaftig bei uns und lässt uns nie allein – so lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun! Das Gute zu tun. Miteinander. Für Jesus. Füreinander. Für unseren Jesus!
Ich möchte allen danken, die das Adorayfestival überhaupt ermöglicht haben. Ich möchte danke sagen, für all die kleinen Dinge, die erledigt werden mussten, im Reich Gottes. Für die reibungslose Organisation. Für das wundervolle Programm. Für alles! Seid ganz fest gesegnet!
Von ganzem Herzen Danke sagen möchte ich auch all den Menschen, die am Wochenende mit nach Zug gereist sind. Ich möchte euch danke sagen, für euer Zeugnis, auf dem Weg in die Ewigkeit. Ich möchte euch danken, für euer JA, für euer JA zum Plan Gottes. ER lässt euch nie allein. ER ist immer da. In IHM und in all euren Mitmenschen, ganz besonders in euch.
Ich möchte dir danken, dass es dich gibt und dass wir immer wieder so wundervolle, tief gesegnete Augenblicke auf dem Weg mit und zu Jesus erfahren dürfen! Danke! Sei ganz fest gesegnet und werde nie müde, das Gute zu tun! Amen. +++


