Ganz schön heilig! – Ein paar Gedanken zur Jugendgebetsnacht 2010

Ganz schön heilig! Was stellst du dir darunter vor? Heilig zu sein? Was bedeutet für dich Heiligkeit? Wie lebst du deine ganz persönliche Heiligkeit? Willst du überhaupt heilig sein? Ist es nicht ganz und gar nur uncool, ein Heiliger, eine Heilige zu sein, zu werden? Scheinheilig? In unserer heutigen Welt? Werden nicht besonders uns Jugendlichen so viele andere Ideale durch unser alltägliches Umfeld vermittelt, vorgelebt, die so sehr von den Massstäben und Anforderungen der Kirche abweichen, die uns so sehr von unserem Weg der Heiligkeit abzubringen versuchen?

Heiligkeit. Ein grosser Begriff. Ein vielleicht viel zu grosses Wort für mich. Für dich. Kleiner Mensch. Normaler Jugendlicher. Kleiner Mensch. Ganz normal. Ganz und gar nicht heilig?!

Wenn wir versuchen, uns klarzuwerden, was für uns die Begriffe „Heiligkeit“, „heilig sein“, „Heiliger, Heilige“ bedeuten, kann es sein, dass wir immer wieder vor ein und dasselbe Bild stossen, den ein und denselben Erklärungsversuch uns zuvorkommt: Heilige waren ganz besondere Menschen. Menschen, mit wundervollen Gaben. Menschen, mit wundervollen Talenten, deren Einsatz sie bescheiden zum Wohl ihrer Mitmenschen eingesetzt haben. Menschen, die durch ihre Demut und ihre Bescheidenheit, durch ihren Glauben und ihre Liebe unsere Welt zum Leuchten gebracht haben. Menschen, so wundervoll in ihrer Art und ihrem Sein, in ihrem Wirken und Tun. Menschen, die in ihrem Leben so viel erreicht haben. So viele Menschen geheilt, so vielen Menschen geholfen haben, so vielen Menschen ein Lächeln auf die Lippen und ins Herz gezaubert haben.

Aber du hast richtig gelesen. Waren. Lange war das her. So lange. Unendlich lange scheint dies zurückzuliegen. Unzählige Kilometer von Geschichtsbüchern zurück. Heilige, heute? In unserer modernisierten Zeit? Heilige? Wo wir Menschen doch alles zu besitzen scheinen? Wo wir Menschen doch alles selber verrichten, verändern können? Heilige? Wozu denn noch? Wo alles doch in unserer Macht zu stehen scheint? Wo Wissenschaft und Technik doch schon fast alles zu erklären versuchen? Heilige? Mit all dem Krieg? All dem Neid? All dem Terror? All dem Hass? Heilige? Wohl kaum mehr!

Darum verbinden viele mit der Heiligkeit dieser ausserordentlichen und aus der Geschichte herausstechenden Menschen auch sofort immer wieder das Wort „Vergangenheit“. Heilige hat es damals gegeben! Früher, als alles noch so viel schlimmer war. Als man Idole, Menschen mit grossen Zielen und Ideen gebraucht hat, damit man noch hoffen konnte. Damit das letzte Stückchen Hoffnung nicht zu verloschen drohte, wie ein leicht züngelndes Feuer durch eine sanft vorbeiwehende Windböe - ausgelöscht. Wo der Mensch noch ein Blatt im Wind zu sein schien.
Damals haben wir Menschen gebraucht, die Wunder vollbracht haben, heilig gelebt haben. Heute doch nicht mehr! So viel hat sich verändert. In unserer Zeit! Doch STOPP!!

Warum stellen wir diese wundervollen Menschen nun einfach mehr auf einen Holzsockel, weit über uns, schauen zu ihnen hinauf und denken uns: „Diese Menschen, wahrhaftig, sie sind heilig. Sie haben Grosses getan. Unfassbares geleistet. So viel erreicht. Früher wäre das vielleicht noch möglich gewesen, doch nicht für mich. Nicht mehr. Nicht heute. Nicht in meiner Zeit. In meiner Gegenwart. An meiner Stelle. Die Anforderungen der Kirche sind zu gross. Heilig werden, keine Chance! Heilig sein, ich doch nicht!“ Aber sooft sich der Mensch auch überschätzen zu droht, sooft kann er sich auch unterschätzen!

Wie oft stellen gerade wir Jugendlichen uns die Frage, wozu wir hier sind. Ich, so kleiner Mensch. Hier auf dieser von Gott so wundervoll geschaffenen Erde. Wozu hat Gott mich, gerade mich, erschaffen? Was ist mein Sinn? Mein Weg? Meine Aufgabe? Ja, mein Ziel? Was kann ich denn wirklich bewirken?

Doch gerade das ist ja der springende Punkt, die springende Quelle dein und meiner Helligkeit! Hör mir zu. Heilig zu sein, bedeutet nicht, jeden Tag 10 Vater unser und 20 Ave Maria beten zu müssen. Heilig zu sein bedeutet nicht, andauernd in den Spiegel blicken zu müssen, mir nicht mehr wage, in die Augen zu schauen, in der Angst: Ich bin nicht perfekt. Ich bin nicht heilig. Gott kann mich so nicht lieben. Ich, mit all meinen Schwächen. Ich, mit all meinem Egoismus. Ich, mit all meinen Fehlern. Ich, mit all meinen Ängsten. Ich, mit all meinem fehlenden Vertrauen. Ich, mit all meiner fehlenden Heiligkeit. Gerade das dürfen wir nicht tun!

Gott hat jede und jeden von uns so wunder bar erschaffen. In jedes von uns hat er ein Stück von SEINER Heiligkeit hineingelegt. Jedes von uns, so unterschiedlich wir auch sind, trotz all unserer Schwächen, all unserer Fehler, all unserer Macken sind ein Abbild von SEINER göttlichen Herrlichkeit, SEINER göttlichen HEILIGKEIT!

Heilig sein bedeutet nicht automatisch perfekt zu sein! Heilig zu sein bedeutet, JA zu sagen, zu Gott. JA zu sagen, zu all dem, was ein Leben ZUSAMMEN mit Gott bringen wird. Sein ganzes JA Gott zu schenken, Gott zu übergeben! Unseren Glauben mit IHM leben zu WOLLEN. Unseren Glauben, zu Gott, Jesus unserem Freund und Begleiter bezeugen zu WOLLEN. Zu IHM stehen zu wollen. Auch in unserem Alltag. Und glaub mir, ich weiss ganz genau, wie schwer das sein kann! Besonders in unserer „coolen“ Zeit. Geprägt durch all die anderen Ideale. Vorbilder. Heiligkeit - zur Seite gedrängt vom stürmischen Alltag.

Doch genau so werden wir heilig. In unserem hektischen Alltag. In unserem Leben. Durch all die kleinen Taten der Liebe, die wir durch IHN und mit IHM vollbringen dürfen. In unserem JA in IHM. Durch IHN. All diese uns so unbedeutend scheinenden Augenblicke in unserem Leben. Ein kleines Lächeln für meine Schwester, für meinen Bruder. Ein Gänseblümchen für die ältere Dame auf der Strasse. Ein liebender Blick für unsere Mutter, unseren Vater. Eine stumme, wärmende Umarmung für unsere beste Freundin, unseren besten Freund, dem es vielleicht gerade nicht zu gut geht. Ein stilles Gebet für die Nachbarin, die seit Tagen schon so traurig in die Welt blickt.

So können wir IHN in unser Leben lassen. IHN in unser Leben lassen WOLLEN. IHM alles schenken zu wollen. Jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens. Jedes Weinen und jedes Lachen. Jede Freude und jede Traurigkeit. Jede Angst und Not, jeden Sonnenstrahl und jeden Schmetterling auf all den Blumen an unserem Wegrand, wie Gott uns schenkt!

Gewiss, der Weg mit Gott zusammen ist nicht immer der einfachste, aber garantiert der richtige! Der Weg mit Gott scheint nicht automatisch geradeaus zu gehen, sondern führt durch sich unendlich scheinende Wirrungen zu verdrehen. Auf dem Weg mit Gott befinden sich auch Steine. Doch dürfen wir diese Felsbrocken immer wieder in Bausteine verwandeln, mit denen wir Neues bauen können! Neues entstehen kann, darf. Verlieren wir nie den Blick für die farbenprächtigen Blumen am Wegesrand Gottes, die er uns schenkt!

Gewiss, bedeutet Heiligkeit nicht, immer nur perfekt sein zu können. Doch bedeutet Heiligkeit, IHM mein ganzes JA zu schenken. Schenken zu wollen Mich in SEINE Barmherzigkeit fallen lassen darf. Mich in seine Arme flüchten darf. An sein liebendes Herz.

Denn, glaub mir, solche Menschen, braucht es auch gerade heute: Menschen, die zu Gott JA sagen! Die ihr JA aktiv zu Gott bekennen. Die ihr JA leben. Menschen, die für Gott leben, die in Gott für andere Menschen leben. Für andere da sind. Nächstenliebe leben. Gottes Liebe weiterschenken. Weiterverschenken, damit andere lieben dürfen. Damit viele andere Herzen zu lachen anfangen, die eigentlich geweint haben. Die verzweifelt gewesen sind.


Durch ein kleines JA, in unserem Herrn, unserem Gott, können wir, jedes Einzelne und sich noch so klein fühlende von uns, heilig werden. Jede und jeder von uns seine ganz persönliche Heiligkeit finden. Die nicht aus grossen Werken und weltübergreifenden Taten besteht. Die nämlich in jedem kleinen JA beginnt. Zu wachsen beginnt. Wie eine blühende Rose im dunkelsten Innern der Erde zu keimen anfängt. Sich langsam ihren Weg durch die Erde bahnt, dabei den Boden lockert. Bis sie eines Tages aufbricht, den harten Betonboden unserer harten Gesellschaft durchbricht und zu blühen beginnt. Strahlend schön. Unfassbar tief. Unsere persönliche Heiligkeit beginnt in Gottes tiefer Liebe. Indem wir unser kleines, menschliches JA in seine unendliche Barmherzigkeit legen. Und so kann Gott noch viel Grösseres schaffen, durch uns. Mit uns.

Mein allerallerliebstes Beispiel ist für mich immer noch unsere selige Mutter Teresa. Sie hat sich ganz Gott zu eigen geschenkt. „Ich bin nur ein kleines Bleistift in Gottes Hand“, hat sie u.a. gesagt. Und doch entstand mit Hilfe dieses kleinen, schwarzgrauen Bleistiftes eine unglaublich schöne und atemberaubende Farbstiftzeichung keines gleichen!

Durch unser JA zu Gott, in Gott sind wir nämlich auf dem richtigen Weg. Auch wenn nicht alles immer so glänzend und perfekt scheint, wie wir es uns zu unserer Heiligkeit vielleicht wünschen. Nicht alles so gross und bedeutend scheint wie vielleicht die Werke unserer gütigen und grossen Mutter Teresa. Und doch auf dem richtigen Weg, angefangen im Kleinen, kann wachsen durch und in Gott zu etwas ganz grossem – dein Weg zur Heiligkeit! +++

Dieser Text entstand, als ich gebeten wurde, einen Artikel zur Jugendgebetsnacht 2010 unter dem Thema „Ganz schön heilig – im Alltag!“ zu schreiben. Jedes einzelne von euch, welches dabei gewesen ist, kann und darf bezeugen, was für ein wundervoller und tiefgehender Anlass diese Gebetsnacht immer wieder sein darf! Wie tief Gott in unserem JA! wirken kann. Dies durften wir auch dieses Jahr wieder in vollen Zügen erleben und geniessen. Durch anfänglichen Lobpreis gestärkt, versanken wir in Pfarrer Martones wunderbare Katechese zum Thema Heiligkeit. Weiter durften wir anschliessend drei wundervolle und spannende Ateliers besuchen. Im ersten legten Stefanie und Christoph sehr eindrücklich dar, wie wir Menschen oftmals auf unserem Weg im Alltag von der Heiligkeit abgehalten werden können, doch dass Gott jedes einzelne von uns so teuer und kostbar erschaffen hat uns so unendlich lieb hat! Im zweiten Atelier bei Renato durften wir mittels eines Filmauschnittes viel Spannendes über das Leben eines ganz besonderen Heiligen erfahren: Don Bosco>Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen! :-) und im letzen Atelier, gestaltet durch die Schönstattjugend gingen wir ein weiteres Mal der Frage auf den Grund, was nun Heiligkeit genau bedeuten könnte. Gestärkt durch so viel neues Wissen über unser Ziel, die Heiligkeit, durften wir uns nun ganz in die Anbetung Gottes hineingeben. In SEINE tiefe Liebe. In SEINE unendliche Barmherzigkeit. In SEINE offenen Arme. In SEIN liebendes Herz. Ebenfalls waren dieses Jahr wieder sehr viele Priester anwesend, die uns die Beichte abnahmen und uns dabei in unserem Weg zur Heiligkeit bestärkten und zur Seite standen. Gott war auch in der anschliessenden Eucharistiefeier in jedem einzelnen von uns gegenwärtig. In jedem Wort. Gebeten oder gesungen. Still gedacht oder laut ausgesprochen. Gott war da. Gott hat gewirkt und sich an all den JA’s, all den Zielen unserer Heiligkeit erfreut. Gott ist da und möge jedem von euch beistehen. In deinem JA. Auf deinem Weg zur ganz persönlichen Heiligkeit. So durften wir diesen reich gesegneten Abend mit Wiener Würstli, Tee und Kuchen gemeinsam und gemütlich ausklingen lassen und später trennten sich unsere Wege. Jedes auf seinem ganz persönlichen Weg zu seiner Heiligkeit. Und wie froh darf ich sein, dass wir einander auf diesem Weg der Heiligkeit immer wieder begegnen dürfen. Stärken dürfen. Füreinander da sein dürfen. Auf dem GEMEINSAMEN Weg zu Gott. Im GEMEINSAMEN JA! Auf dem GEMEINSAMEN Weg zur GEMEINSAMEN Heiligkeit! Ich freujiu mie uf all die wiiteru, wunderschönu Eugublicka mit ew! Danke fer alles. Fer jedes, wa es chleis oder gressers Teilti va schich zu dem genialu Glingu va dem wunderwunderschönu Alass bigitreit hed. Danke fer jedes einzelna va ew! +++