Weekend Fiesch (29. April - 1. Mai 2005)

Ich bin nun schon seit einigen Jahren in der Jugendgruppe Immanuel. Jedes Jahr findet ein besonderes Wochenende statt. Über diese spezielles Wochenende möchte ich nun erzählen.

Am Freitag trafen wir uns im Feriendorf in Fiesch. Wir waren alle ziemlich aufgeregt und gespannt darauf, was wir an diesem Wochenende erleben werden. Uns war klar, dass wir ein tolles Gruppenerlebnis mit viel Spass haben werden, aber auch etwas dazu lernen werden. Das Thema des Wochenendes war „Abba, lieber Vater“, was doch sehr viel versprach.
Um 20.00 Uhr fing dann der Abend an. Zuerst sangen wir ein paar Lieder. Danach kam die Gebetsgruppenleiterin Violaine in lumpiger Kleidung daher. Sie erzählte uns von ihrem Leid, dass sie nichts mehr habe ausser einer Kiste, die sie von ihrem Vater erhalten hat. Doch sie habe Angst, sie zu öffnen. Es könnte ja nicht das drin sein, was sie brauchen könnte. Aber sie entschied sich dann doch die Kiste zu öffnen. Sie nahm also den Schlüssel und schloss die Kiste auf. Zuerst fand sie einen Brief. In diesem Brief stand, wie sehr sie von ihrem Vater geliebt werde und wie kostbar und schön sie sei. Sie sah ihre Kleider an und fing an zu lachen. Schön soll sie sein? Aber der Brief gab ihr Mut, die Kiste weiter auszupacken. Die Spannung stieg. Sie nahm eine kleine Schatulle heraus. Sie wunderte sich und probierte, was es wohl sei. Ihhh, dass ist ja Salz, meinte sie. Ihr seid das Salz der Erde. Danach nahm sie ein Buch heraus. Lesen könne sie zwar nicht so gut, aber es soll ein Wegweiser sein fürs Leben. Jetzt fand sie ein Stück Brot. Au ja Hunger habe sie schon langsam. Aber sie war viel zu aufgeregt, um zu essen und packte weiter aus. Und alle waren froh drum, weil wir wirklich wissen wollten, was sonst noch drin ist. Dann fand sie ein Paar neue, grüne Schuhe. Das sei jetzt toll! Jetzt könne sie endlich ihre alten Latschen wegwerfen. Endlich wieder wasserdichte Schuhe! Mit Vergnügen zog sie die neuen Schuhe an. Plötzlich lachte sie laut auf und zeigte uns die Stirnlampe. Sie zog sie an und war ein wenig enttäuscht. Mit diesem kleinen Licht kann man ja nur ein Schritt nach dem anderen tun! Da war nichts mit schnell davonlaufen. Dann ist es halt so. Es ist immer gut ein Licht bei sich zu haben, wenn es mal dunkel wird. Danach zog sie ein Gesangbuch aus der Kiste. Mal endlich etwas, das sie gerne tat: singen. Auf einmal hatte sie ganz grosse Augen und steckte voller Freude den Ring an ihre Hand. Ihr Vater müsse sie schon lieben. Sie habe noch nie so etwas Schönes und Wertvolles erhalten. Aber es hatte noch mehr in der Kiste. Als nächstes nahm sie ein Paket zur Hand. Darauf stand „Waschmittel“. Sie konnte damit nicht viel anfangen. Dann sah sie das weisse Gewand. Sie fragte uns, ob sie es anziehen solle. Wir fanden alle „JA“. Sie hatte Angst, dass das weisse Gewand schmutzig würde. Jemand musste ihr beim Anziehen helfen. Dann kam ihr in den Sinn, dass sie ja das Waschmittel für das Gewand hatte. So war sie nicht mehr so besorgt. Das ist jetzt aber eine komische Kette! Doch sie zog sie trotz der Löcher an. Wir alle mussten lachen, weil es sich um einen Rosenkranz handelte und nicht um eine Halskette. Als letztes nahm sie ein Schwert aus der Kiste. Au, dass sei jetzt fein! Jetzt könne sie sich endlich verteidigen und sie schwang ihr Schwert herum. Am Schluss sagte sie, wisst ihr, was das Beste ist? Das Beste ist, dass ihr alle diese Kiste bei euch habt. Ihr müsst euch nur trauen, diese Kiste zu öffnen.
Nach diesem Auftritt sangen wir ruhige Lieder. Gott ist unser Vater und alle haben diese Kiste!!
Danach spielten wir noch zusammen und viele fanden in der Nacht in ihren Zimmern nicht wirklich Ruhe. Überall wurde gelacht, geschwatzt und einige fanden dann doch noch den Schlaf.

Der Morgen kam dann eben doch schnell. Nach dem gemeinsamen Frühstück und dem Abwasch trafen wir uns wieder und waren gespannt, was kommen würde. Nach ein paar Lobliedern erzählte uns Martin, wie sehr uns Gott liebe. In sehr einfachen Worten erklärte er uns, was es mit der Kiste auf sich hat. Jeder Gegenstand hatte nun einen ganz klaren Sinn. Der Schlüssel ist der Glaube, das Buch ist die Bibel und das Brot weist auf die Eucharistie hin, wo sich uns Gott ganz hingibt im Leib und Blut Jesu. Die Schuhe sind die Schuhe der Bereitschaft für das Evangelium und für den Glauben einzutreten. Im Glauben ist es wichtig, wirklich nur einen Schritt nach dem anderen zu tun und nicht so schnell zu laufen. Wir sollen Gott loben in jeder Situation. Der Vater steckte dem verlorenen Sohn den Ring an die Hand, so legt Gott auch uns diesen Ring an. Mit dem Waschmittel meinte Violaine die Beichte, damit wir unser weisses Taufkleid immer wieder waschen können. Die komische Kette ist ein Rosenkranz. Das tägliche Gebet im Rosenkranz oder in anderen Gebeten ist die direkte Leitung zu Gott. Das Schwert brauchen wir, um uns gegen das Böse zu wehren. Jetzt war wirklich allen klar, was damit gemeint war.
Nach diesen Erklärungen setzten wir uns in Gruppen zusammen um den Text des verlorenen Sohnes genau zu betrachten. Wir sollten nicht nur darüber reden, sondern auch etwas darstellen, entweder etwas basteln oder ein Theaterstück vorbereiten. Wir gingen also emsig an die Arbeit. Eine Gruppe spielte uns ein Theaterstück vor, die anderen beiden Gruppen hatten je ein Plakat gemacht. Bei allen Gruppen entstanden tolle Resultate. Durch das ganze Zuhören und Werken bekamen wir einen riesen Hunger. Voll Freude verspeisten wir unser Mittagessen. Danach war wieder gemeinsames Aufräumen an der Tagesordnung.

Am Nachmittag machten wir uns in 2er oder 3er Gruppen auf den Weg. Mit einer Karte ausgerüstet, suchten wir verschiedene Posten auf. Bei jedem Posten fanden wir eine Bibelstelle und einige Fragen zum Nachdenken vor. Wir besannen uns auf unsere Sünden und Fehler. Wir dachten auch über unsere Sorgen nach, denn Gott möchte uns nicht nur unsere Sünden und Fehler verzeihen, sondern er möchte uns auch unsere Sorgen abnehmen. Das Wetter war genial und so freuten wir uns auf den Spaziergang. Nach rund 2 Stunden fanden wir uns wieder im Feriedorf ein.
Jetzt stand der Spass im Vordergrund. Einige spielten Minigolf, die anderen sassen zusammen und lachten, andere wiederum behaupteten sich an der Kletterwand. Für jeden war etwas dabei. So genossen wir zusammen unsere freie Zeit.

Nach dem Abendessen trafen wir uns wieder in der Gruppe. Zuerst verbrannten wir draussen unsere Sorgen, dir wir am Nachmittag beim Postenlauf aufgeschrieben haben. Dazu sangen wir die Hymne des Weltjugendtages in Köln. „Wir wollen dich hoch erhoben sehn“. Danach baten wir gemeinsam um die Ausgiessung des heiligen Geistes. Mit viel Gesang und Gebet verbrachten wir zusammen einen schönen Abend. Natürlich war in dieser Nacht wieder einmal an keinen Schlaf zu denken, jedenfalls bei einigen von uns. Andere schliefen tief und fest.

Der Abschluss war die Sonntagsmesse in Fiesch. Es war ein toller Abschluss, weil die Predigt genau in unser Thema passte. Gott sprach wirklich zu uns und wir dürfen seine Kinder sein!

Wir waren uns alle einig, dass es ein tolles Erlebnis war. Dankbar für das segenreiche Wochenende liessen wir den Tag gemütlich ausklingen. Neu erfüllt von der Liebe Gottes und dem heiligen Geist machten wir uns auf den Heimweg.

Sybille Bellwald